Museum Folkwang
Jeune fille debout
  • Aristide Maillol
  • Jeune fille debout, 1902

  • Stehende junge Frau
  • Holz
  • 73 cm
  • Erworben 2011 mit Unterstützung der Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung, des Folkwang-Museumsvereins, der Kulturstiftung der Länder, des Landes NRW, der Kunststiftung NRW, der Ernst-von-Siemens-Stiftung und eines privaten Spenders
  • Inv.-Nr. P 316
  • Text zum WerkDie Figur ›Jeune fille debout‹ ist eine der wenigen Holzskulpturen, die Maillol zu Beginn seiner bildhauerischen Tätigkeit geschaffen hat. Ihr Erwerb durch das Ehepaar Osthaus darf deshalb in der Rückschau eine einzigartige Gelegenheit genannt werden. Tatsächlich verzeichnet eine Bescheinigung vom September 1902, die den Verkauf von 13 plastischen Arbeiten Maillols an den Galeristen Ambroise Vollard dokumentiert, nur zwei Figuren als in Holz ausgeführte Werke, »une grande statue en buis [sic; frz. Buchsbaum] femme debout le bras derrière la tête« und »une statue en bois femme debout«. Die knappen Beschreibungen lassen eine eindeutige Identifikation mit heute noch erhaltenen Werken kaum zu, nicht zuletzt deshalb, weil Maillol die Komposition einiger seiner Figuren des Öfteren wiederholte und nur geringfügig variierte. In Kenntnis des Erwerbs der ›Jeune fille debout‹ durch Osthaus Anfang 1904 liegt es jedoch nahe, die Formulierung »une statue en bois femme debout« auf diese Figur zu beziehen; sie wäre dann auf 1902 oder früher zu datieren.

    In einem am 19. Oktober 1904 in der Hagener Zeitung erschienenen Jahresbericht macht Osthaus die Öffentlichkeit mit der »Jeune fille debout« und weiteren Neuerwerbungen für die Skulpturensammlung des Museum Folkwang bekannt. Die kurze Zusammenfassung nennt einige wichtige Werke und gibt Aufschluss über die Zielsetzung, die der Sammler mit ihnen verband: »Ein griechisch-ägyptischer Kopf mit Porträtzügen […], ein 85teiliger Terrakottafries der lombardischen Frührenaissance haben die historische Abteilung in schönster Weise bereichert, während die moderne Abteilung in drei Meisterwerken Rodins erst ihren eigentlichen Mittelpunkt gefunden hat. […] Als weiteren Zuwachs erhielt die Abteilung die Holzfigur eines Mädchens von Aristide Maillol. Es ist dies der Künstler, in dessen Schöpfung versunken der große Rodin gestand: »Der hat, was uns fehlt«, um ihm dann, als Mensch so groß wie als Künstler, den besten Platz im ›Salon‹ einzuräumen.« Für Karl With, Assistent von Osthaus in Hagen, markierte die Aufnahme Aristide Maillols in die Folkwang-Sammlung zudem das wachsende Interesse des Museumsgründers an Werken von zeitgenössischen Künstlern.

    Maillol verzichtet in seinen Bildwerken auf expressive Gebärden und energetisch aufgeladene Körperhaltungen, wie sie etwa für Rodins Figuren kennzeichnend sind. Seine Skulpturen fügen sich zu einer räumlich klar begrenzten, in sich geschlossenen Form und vermitteln den Eindruck verinnerlichter Kraft und konzentrierter Ruhe. Die Oberflächen der Skulpturen Maillols sind ebenmäßig und in ihrer Abwicklung klar gegliedert. Größere und häufig auch kleinformatigere Arbeiten erreichen dadurch eine monumentale Wirkung und räumliche Präsenz, in der sich klassizistische Formensprache und moderne Kompositionsprinzipien verbinden. Wohl aus diesem Grund haben einige zeitgenössische Kritiker den Ausdruck der ›Jeune fille debout‹ als archaisch empfunden. Hans Rosenhagen, der die Figur 1906 in der 11. Ausstellung der Berliner Secession gesehen hatte, spricht von einer »fast ägyptisch wirkende(n) Holzfigur«, die das »erstaunliche Talent Maillols« erkennen lasse, und auch in einer Ausstellungsbesprechung von 1908 wird das Werk als »archaisierende Holzplastik, die uns mit dem geheimnisstarren Antlitz toter Jahrhunderte anblickt« beschrieben.
  • Provenienz1904, Ambroise Vollard, Paris
    1904 - 1921, Museum Folkwang, Hagen
    1921 - 1975, Gertrud Osthaus
    1975 - 1998, Reinhardt und Lilly Ackermann (geb. Stickfort; Tochter von Gertrud Osthaus-Stickfort und Adolf Stickfort)
    1998 - 2011, Privatbesitz
    seit 2011, Museum Folkwang, Essen
  • Obj_Id: 1'014'974
  • Obj_Internet_S: Highlight
  • Obj_Ownership_S (Verantw):Malerei, Skulptur, Medienkunst
  • Obj_SpareNField01_N (Verantw): 188
  • Obj_Creditline_S: Skulpturensammlung
  • Obj_Title1_S: Jeune fille debout
  • Obj_Title2_S: Stehende junge Frau
  • Obj_PartDescription_S (Titelerg):
  • Obj_SpareMField01_M (Alle Titel): Jeune fille debout Young Woman, standing Jeune fille debout Stehende junge Frau
  • Obj_Dating_S: 1902
  • Jahr von: 1'902
  • Jahr bis: 1'902
  • Obj_IdentNr_S: P 316
  • Obj_IdentNrSort_S: P 316
  • Obj_Classification_S (Objtyp): Plastik/Skulptur
  • Obj_Crate_S: 73 cm
  • Obj_Material_S: Holz
  • Obj_Technique_S:
  • Obj_SpareSField01_S (Mat./Tech.): Holz
  • Obj_AccNote_S (Erwerb): Erworben 2011 mit Unterstützung der Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung, des Folkwang-Museumsvereins, der Kulturstiftung der Länder, des Landes NRW, der Kunststiftung NRW, der Ernst-von-Siemens-Stiftung und eines privaten Spenders
  • Obj_PermanentLocation_S (Standort):
  • Obj_Condition1_S (Druckerei):
  • Obj_Condition2_S (Auflage):
  • Obj_Subtype_S (Genre):
  • Obj_Rights_S: © Museum Folkwang, Essen
Text zum Werk
Künstler
Provenienz

Die Figur ›Jeune fille debout‹ ist eine der wenigen Holzskulpturen, die Maillol zu Beginn seiner bildhauerischen Tätigkeit geschaffen hat. Ihr Erwerb durch das Ehepaar Osthaus darf deshalb in der Rückschau eine einzigartige Gelegenheit genannt werden. Tatsächlich verzeichnet eine Bescheinigung vom September 1902, die den Verkauf von 13 plastischen Arbeiten Maillols an den Galeristen Ambroise Vollard dokumentiert, nur zwei Figuren als in Holz ausgeführte Werke, »une grande statue en buis [sic; frz. Buchsbaum] femme debout le bras derrière la tête« und »une statue en bois femme debout«. Die knappen Beschreibungen lassen eine eindeutige Identifikation mit heute noch erhaltenen Werken kaum zu, nicht zuletzt deshalb, weil Maillol die Komposition einiger seiner Figuren des Öfteren wiederholte und nur geringfügig variierte. In Kenntnis des Erwerbs der ›Jeune fille debout‹ durch Osthaus Anfang 1904 liegt es jedoch nahe, die Formulierung »une statue en bois femme debout« auf diese Figur zu beziehen; sie wäre dann auf 1902 oder früher zu datieren.

In einem am 19. Oktober 1904 in der Hagener Zeitung erschienenen Jahresbericht macht Osthaus die Öffentlichkeit mit der »Jeune fille debout« und weiteren Neuerwerbungen für die Skulpturensammlung des Museum Folkwang bekannt. Die kurze Zusammenfassung nennt einige wichtige Werke und gibt Aufschluss über die Zielsetzung, die der Sammler mit ihnen verband: »Ein griechisch-ägyptischer Kopf mit Porträtzügen […], ein 85teiliger Terrakottafries der lombardischen Frührenaissance haben die historische Abteilung in schönster Weise bereichert, während die moderne Abteilung in drei Meisterwerken Rodins erst ihren eigentlichen Mittelpunkt gefunden hat. […] Als weiteren Zuwachs erhielt die Abteilung die Holzfigur eines Mädchens von Aristide Maillol. Es ist dies der Künstler, in dessen Schöpfung versunken der große Rodin gestand: »Der hat, was uns fehlt«, um ihm dann, als Mensch so groß wie als Künstler, den besten Platz im ›Salon‹ einzuräumen.« Für Karl With, Assistent von Osthaus in Hagen, markierte die Aufnahme Aristide Maillols in die Folkwang-Sammlung zudem das wachsende Interesse des Museumsgründers an Werken von zeitgenössischen Künstlern.

Maillol verzichtet in seinen Bildwerken auf expressive Gebärden und energetisch aufgeladene Körperhaltungen, wie sie etwa für Rodins Figuren kennzeichnend sind. Seine Skulpturen fügen sich zu einer räumlich klar begrenzten, in sich geschlossenen Form und vermitteln den Eindruck verinnerlichter Kraft und konzentrierter Ruhe. Die Oberflächen der Skulpturen Maillols sind ebenmäßig und in ihrer Abwicklung klar gegliedert. Größere und häufig auch kleinformatigere Arbeiten erreichen dadurch eine monumentale Wirkung und räumliche Präsenz, in der sich klassizistische Formensprache und moderne Kompositionsprinzipien verbinden. Wohl aus diesem Grund haben einige zeitgenössische Kritiker den Ausdruck der ›Jeune fille debout‹ als archaisch empfunden. Hans Rosenhagen, der die Figur 1906 in der 11. Ausstellung der Berliner Secession gesehen hatte, spricht von einer »fast ägyptisch wirkende(n) Holzfigur«, die das »erstaunliche Talent Maillols« erkennen lasse, und auch in einer Ausstellungsbesprechung von 1908 wird das Werk als »archaisierende Holzplastik, die uns mit dem geheimnisstarren Antlitz toter Jahrhunderte anblickt« beschrieben.