Museum Folkwang
Schloss am Meer (Mord im Schloss)
  • Arnold Böcklin
  • Schloss am Meer (Mord im Schloss), 1859

  • Öl auf Leinwand
  • 112 x 177,3 cm
  • Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland seit 1966
  • Inv.-Nr. L 66/8681
  • Text zum Werk›Mord im Schloss‹ zählt zu den ersten der so genannten Villen-Bilder, deren Thematik den Künstler über 30 Jahre beschäftigte. Für die dramatische Szene nahm Böcklin Motiv und Komposition eines Wandbildes wieder auf, das er kurz zuvor (1858) für das Wedekindsche Haus in Hannover gemalt hatte. Einem 1914 erschienenen Reisebericht Friedrich Theodor Vischers, der 1859 auf dem Weg nach Italien in München Station machte und das Bild im Atelier von Böcklin gesehen hatte, verdanken wir eine erste Einschätzung: „Ufer des adriatischen Meeres, schöne Villa am Garten, unten im Vordergrund reißt ein Seeräuber eine jammernde Frau nach einem Boote, wo zwei seiner Gesellen bereits ein geknebeltes Mädchen hüten. Auf dem beschatteten Wege, der zur Villa hinaufführt, liegt der Leichnam: es wird der Gemahl der Geraubten sein, der in ihrer Verteidigung gefallen ist. Man sieht sogleich: der Maler wollte eine poetische Erzählung geben, etwa im Geist und Ton Byrons. Während der Arbeit wurden die Figuren zuerst größer, dann kleiner, zuerst zahlreicher, dann sparsamer gehalten, die düstere Handlung sollte zuerst noch mitten im Kampf stehen, dann wurde sie auf den Moment des lebendigen Kampfes gestellt; alles im Gefühl, dass spannende Handlung von der Landschaft ablenkt, die hier nun einmal entschieden zu bedeutend ist, um bloß in zweiter Linie als eine Art musikalischen Nachhalls einer Handlung zu wirken. Allein auch in der Beschränkung ist die letztere ihrerseits immer noch zu bedeutend, um sich in schwankendem Kampf mit der Landschaft um den Vorrang der Bedeutung zu streiten. Das Bild hat zwei Schwerpunkte, es wankt daher und beunruhigt.“ Gut 20 Jahre später kam Böcklin für seine Komposition ›Villa am Meer‹ auf diese Bilderfindung zurück und verlieh ihr eine von Melancholie geprägte Abendlichtstimmung, aufgeladen mit Tod und Trauer, Sehnsucht und Vergänglichkeit.
  • Provenienz1860, Arnold Böcklin
    1860, Großherzog Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg (beim Künstler erworben)
    (seit 1900), Großherzog Friedrich August von Oldenburg, Lehnsan
    Großherzog Nikolaus von Oldenburg
    1942 - 1942, Galerie Karl Haberstock
    seit 1942, Reichsbesitz
    seit 1966, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
  • Obj_Id: 1'002'977
  • Obj_Internet_S: ja
  • Obj_Ownership_S (Verantw):Malerei, Skulptur, Medienkunst
  • Obj_SpareNField01_N (Verantw): 187
  • Obj_Creditline_S: Gemäldesammlung
  • Obj_Title1_S: Schloss am Meer (Mord im Schloss)
  • Obj_Title2_S:
  • Obj_PartDescription_S (Titelerg):
  • Obj_SpareMField01_M (Alle Titel): Schloss am Meer (Mord im Schloss) Castle at the seaside (Murder in the Castle) Schloss am Meer (Mord im Schloss)
  • Obj_Dating_S: 1859
  • Jahr von: 1'859
  • Jahr bis: 1'859
  • Obj_IdentNr_S: L 66/8681
  • Obj_IdentNrSort_S: L 066/8681
  • Obj_Classification_S (Objtyp): Gemälde
  • Obj_Crate_S: 112 x 177,3 cm
  • Obj_Material_S: Öl auf Leinwand
  • Obj_Technique_S:
  • Obj_SpareSField01_S (Mat./Tech.): Öl auf Leinwand
  • Obj_AccNote_S (Erwerb): Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland seit 1966
  • Obj_PermanentLocation_S (Standort):
  • Obj_Condition1_S (Druckerei):
  • Obj_Condition2_S (Auflage):
  • Obj_Subtype_S (Genre):
  • Obj_Rights_S: © Museum Folkwang, Essen
Text zum Werk
Künstler
Provenienz

›Mord im Schloss‹ zählt zu den ersten der so genannten Villen-Bilder, deren Thematik den Künstler über 30 Jahre beschäftigte. Für die dramatische Szene nahm Böcklin Motiv und Komposition eines Wandbildes wieder auf, das er kurz zuvor (1858) für das Wedekindsche Haus in Hannover gemalt hatte. Einem 1914 erschienenen Reisebericht Friedrich Theodor Vischers, der 1859 auf dem Weg nach Italien in München Station machte und das Bild im Atelier von Böcklin gesehen hatte, verdanken wir eine erste Einschätzung: „Ufer des adriatischen Meeres, schöne Villa am Garten, unten im Vordergrund reißt ein Seeräuber eine jammernde Frau nach einem Boote, wo zwei seiner Gesellen bereits ein geknebeltes Mädchen hüten. Auf dem beschatteten Wege, der zur Villa hinaufführt, liegt der Leichnam: es wird der Gemahl der Geraubten sein, der in ihrer Verteidigung gefallen ist. Man sieht sogleich: der Maler wollte eine poetische Erzählung geben, etwa im Geist und Ton Byrons. Während der Arbeit wurden die Figuren zuerst größer, dann kleiner, zuerst zahlreicher, dann sparsamer gehalten, die düstere Handlung sollte zuerst noch mitten im Kampf stehen, dann wurde sie auf den Moment des lebendigen Kampfes gestellt; alles im Gefühl, dass spannende Handlung von der Landschaft ablenkt, die hier nun einmal entschieden zu bedeutend ist, um bloß in zweiter Linie als eine Art musikalischen Nachhalls einer Handlung zu wirken. Allein auch in der Beschränkung ist die letztere ihrerseits immer noch zu bedeutend, um sich in schwankendem Kampf mit der Landschaft um den Vorrang der Bedeutung zu streiten. Das Bild hat zwei Schwerpunkte, es wankt daher und beunruhigt.“ Gut 20 Jahre später kam Böcklin für seine Komposition ›Villa am Meer‹ auf diese Bilderfindung zurück und verlieh ihr eine von Melancholie geprägte Abendlichtstimmung, aufgeladen mit Tod und Trauer, Sehnsucht und Vergänglichkeit.