Museum Folkwang
  • Japanische Theatermasken

  • Die Sammlung japanischer Theatermasken – Larven – im Museum Folkwang umfasst 29 Objekte und zählt damit zu den größeren Beständen dieser Art in Europa. Die Sammlung setzt sich je zur Hälfte aus Larven des mittelalterlichen Tanztheaters Nô und der Komödie Kyôgen zusammen. Nô und Kyôgen gehören zusammen und verkörpern Gegensätze; sie charakterisieren Ernst und Lachen, Pathos und Parodie, Geisterwelt und Diesseits.
    Gegenüber ihrem ursprünglichen Gebrauch in religiösen Volkstheatern veränderte sich die Verwendung und Bedeutung dieser Masken unter dem Einfluss der Fürsten, welche die Tradition des Theaters fortführten. Der Gebrauch der Larven im Nô und besonders im Kyôgen wurde stark eingeschränkt. Im Nô durfte nur der führende Spieler Shite sowie sein Begleiter Gesichtsmasken tragen, im Kyôgen kommen die Masken nur in wenigen Stücken zum Einsatz.
    Die Gesichtsmasken sind aus gefasstem Holz hergestellt, stammen mehrheitlich aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und weisen unterschiedliche Gebrauchsspuren auf. Die unterlebensgroßen Larven bedecken das menschliche Gesicht nicht ganz; unter der Maskierung bleibt der Spieler, der die Figur zum Leben auf der Bühne erweckt, selbst sichtbar.

    In der Sammlung haben sich zwei unterschiedlich zu datierende, besonders fein gearbeitete Kyôgen-Larven erhalten, die eine einfache, nicht so schöne Frau darstellen und Oto oder auch Okame genannt werden. Die Okame als Frauenmaske ist repräsentativ für das Kyôgen, während die Larve Ko-omote, die ebenfalls eine junge Frau darstellt und möglicherweise von dem namhaften, 1704 gestorbenen Schnitzer Kodama Ômi stammt, als die prägende Frauenlarve für das Nô steht. Eine Verwandlung dieser jungen und schönen Frau in eine ältere, wahnsinnige, begegnet uns in der Larve Deigan (Schmutzauge), die von dem Schnitzer Deme Kogenkyû Mitsunaga (gestorben 1672) stammen könnte, einem Lehrer Kodama Ômis. Die Technik der Rückseitenbearbeitung verweist möglicherweise auch auf die Hand des 1715 verstorbenen Meisters Deme Tôhaku.

    Ende des 19. Jahrhunderts erlangte japanisches Kunsthandwerk in Europa große Beliebtheit. Japan war es gelungen, nach der erzwungenen Öffnung des Landes durch die USA, seine politische und kulturelle Souveränität zu bewahren und die Wirtschaft der westlichen Industrialisierung anzugleichen. Erstmals gelangten nun Objekte aus Japan auf den Europäischen Kunstmarkt, die nicht für den Export produziert worden waren, sondern auch dort hoch geschätzt wurden. Wie andere zeitgenössische Künstler hatte auch der Düsseldorfer Akademieprofessor und Maler Benjamin Vautier eine umfangreiche Sammlung von Theatermasken erworben, die aus seinem Nachlass in das Museum Folkwang gelangten.
  • Exh_Title_S: Japanische Theatermasken
  • Exh_Id: 100'500
  • Exh_Comment_S (Verantw): Archäologie, Weltkunst, Kunstgewerbe
  • Exh_SpareNField01_N (Verantw ID): 185
Werke
Jûroku oder Waka-otoko
Ko-omote
Deigan
  • Deme Kogenkyû Mitsunaga (gest. 1672) oder Deme Tôhaku Mitsutaka
  • Deigan, 17. Jh.

  • Gesichtsmaske für das Nô-Theater
    Schmutzauge, ältere wahnsinnige Frau
  • Inv.-Nr. KPL 62
Oto-goze / Okame
Noborihige
Nô-Gewand (atsuita-karaori)