Museum Folkwang
  • Walter Gramatté: ›Wozzeck‹, 1925
    Bildfolge von 12 Radierungen zu Georg Büchners Dramenfragment ›Woyzeck‹

  • Unmittelbar nach der Bildfolge zur Erzählung ›Lenz‹ schuf Walter Gramatté Illustrationen zu Georg Büchners Drama ›Woyzeck‹. Die Titelfigur wird durch die Gewissenlosigkeit und das Desinteresse ihrer Mitmenschen zum Mord an der Geliebten getrieben. Die Uraufführung des Schauspiels erfolgte erst im Büchnerjahr 1913 im Münchner Residenztheater. Große Bekanntheit erlangte es durch die Inszenierung Max Reinhardts 1921 in Berlin. In seiner Begeisterung für das Stück hatte Gramatté zunächst geplant, einen Zyklus von 50 Blättern zum Woyzeck zu schaffen, nahm hiervon jedoch wieder Abstand, um sich den Illustrationen zu Büchners ›Lenz‹ zu widmen. Ermutigt durch die Veröffentlichung dieser Bildfolge im Jahr 1924 griff Gramatté im Anschluss das Thema ›Woyzeck‹ wieder auf. Dabei glich er den Umfang dieser zweiten Büchner-Serie jedoch an den der Bildfolge zum ›Lenz‹ an, was sicher der Hoffnung geschuldet war, auch eine Edition des ›Woyzeck‹ in der Reihe der Hamburger Handdrucke zu realisieren. Eine Veröffentlichung der Serie kam jedoch nicht zustande, weshalb sich nur einige Probedrucke erhalten haben.
    Inhaltlich orientiert Gramatté sich hier stark an der Handlung des Stücks, die er jedoch um ein wichtiges Motiv ergänzt, das in der Vorlage Büchners nicht erscheint – die Umarmung von Woyzeck und Marie (Blatt 2). »Eine Szene gibt es dafür nicht bei Büchner. Da aber mein Ziel bei Illustrationen stets ist, die Blätter unter sich in Beziehung zu bringen und außerdem klar ist, dass Wozzecks großes und einziges Glück Marie ist, kann und muss dieses Blatt da sein«, schrieb Gramatté im Frühjahr 1925 zur Begründung an Wilhelm Niemeyer.
    Stilistisch stehen die Blätter der Bildfolge zu Büchners ›Lenz‹ nahe, was auch Gramatté selbst bewusst war: »Es ist wieder alles in sehr starken energischen Linien gearbeitet. Sehr einfach, aber sehr ausgewogen. Wie immer habe ich versucht, das mir Möglichste an innerlicher Spannung zu geben, verhüllt durch fast brutal scheinende Formen und Linien.« (Brief an Paul Rauert, 12. Februar 1925)
    1925, im Entstehungsjahr der Radierungen Gramattés, erfolgte auch die Uraufführung der Oper ›Wozzeck‹ von Alban Berg. Gramatté ließ dem Komponisten ein Exemplar zukommen, worauf dieser in einem Dankesschreiben eine große Nähe zwischen der künstlerischen Haltung Gramattés und seiner eigenen benannte: »Die Blätter sind herrlich, und ich habe gerade für diese Art Kunst einen starken Sinn und glaube, dass sie mit der meinigen sehr verwandt ist.«
  • Exh_Title_S: Walter Gramatté: ›Wozzeck‹, 1925
    Bildfolge von 12 Radierungen zu Georg Büchners Dramenfragment ›Woyzeck‹
  • Exh_Id: 100'535
  • Exh_Comment_S (Verantw): Grafische Sammlung
  • Exh_SpareNField01_N (Verantw ID): 186
Werke
Wozzeck
  • Walter Gramatté
  • Wozzeck, 1925

  • Titelblatt der Bildfolge zu Georg Büchners Dramenfragment ›Woyzeck‹
  • Inv.-Nr. A 81/68
Wozzeck rasiert den Hauptmann
Wozzeck in der Umarmung Marias
Maria mit dem Knaben auf dem Arm
Maria in Umarmung mit dem Tambourmajor
Maria mit dem schlafenden Knaben im Arm vor dem Spiegel, verklärt über den Ring des Tambourmajors
Maria betend
Wozzeck auf der Straße, die Hand des Hauptmanns winkt ihn heran
Großer Kopf Wozzecks, restlos verzweifelt
Der Mord
Wozzeck geht in den Teich
Wozzeck ertrinkt
Zwei Bürger laufen davon, als sie unheimliche Laute vom Teich hören