Museum Folkwang
  • Ernst Ludwig Kirchner: ›Peter Schlemihls wundersame Geschichte‹, 1915
    Bildfolge von 7 Farbholzschnitten zu Adelbert von Chamissos Erzählung ›Peter Schlemihls wundersame Geschichte‹

  • In Chamissos Erzählung von 1813 verkauft die Hauptfigur Peter Schlemihl seinen eigenen Schatten an den Teufel. Als er gewahr wird, dass er sich damit aus der Gesellschaft ausschließt, da die Menschen ihn aufgrund dieser Absonderlichkeit meiden, versucht Schlemihl vergebens, den Handel rückgängig zu machen.
    Kirchner erkannte sich selbst in der Titelfigur wieder. Ebenso wie Schlemihl durch den Verkauf des Schattens sah Kirchner sich durch seine freiwillige Meldung zum Kriegsdienst aus eigenem Verschulden von seinen Mitmenschen isoliert. Dies verdeutlicht ein Brief, den Kirchner am 28. Juli 1919 an seinen Förderer Gustav Schiefler richtete. In diesem Brief beschrieb Kirchner den fünften Holzschnitt der Folge mit den Worten: »Blatt 5 zeigt die Scene, in der er [Schlemihl] mit dem grauen Männlein auf der Landstraße von diesem für die Zeit ihres Zusammenseins den Schatten geliehen bekommt und damit in ein Seitental entfliehen will. Der Schatten rutscht in diesem Moment von selbst in die Tasche des Männleins zurück. Die militärische Uniform stammt daher, dass ich mich während dieser Zeit in einem ähnlichen psychischen Zustand befunden habe. Der Verkauf an das graue Männlein war das Freiwilligentum, da ich daran selbst schuld war.«
    Mit der Schlemihl-Folge erreicht Kirchner Beschäftigung mit dem Farbholzschnitt einen ersten Höhepunkt. Für den Druck verwandte Kirchner in der Regel zwei Stöcke – einen Zeichnungsstock für die schwarzen Partien und einen Farbstock für die farbigen. Der Farbstock wurde dabei von Kirchner, der den Druck selbst durchführte, monotypieartig eingefärbt. Gelegentlich – so bei Blatt 1 – wurden die Drucke auch nachträglich von Hand koloriert. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die erhaltenen Exemplare der in sehr kleinen Auflagen gedruckten Farbholzschnitte teilweise sehr stark differieren.
    Von der Schlemihl-Serie lassen sich in öffentlichem Besitz nur fünf vollständige Exemplare nachweisen. Das Museum Folkwang verfügte bis 1937 über ein Exemplar der Serie aus dem Besitz von Karl Ernst Osthaus, das dieser von Künstler selbst erhalten hatte. Diese Folge wurde 1937 als »entartet« beschlagnahmt und im Anschluss verkauft. Als Ersatz erwarb das Museum 1957 ein anderes vollständiges Exemplar der Schlemihl-Folge. Das Titelblatt der ehemals dem Museum Folkwang gehörigen Folge mit einer Widmung Kirchners als Osthaus gehört heute zu einer Privatsammlung, die übrigen Blätter dieser Folge lassen sich nicht mehr sicher identifizieren.
  • Exh_Title_S: Ernst Ludwig Kirchner: ›Peter Schlemihls wundersame Geschichte‹, 1915
    Bildfolge von 7 Farbholzschnitten zu Adelbert von Chamissos Erzählung ›Peter Schlemihls wundersame Geschichte‹
  • Exh_Id: 100'536
  • Exh_Comment_S (Verantw): Grafische Sammlung
  • Exh_SpareNField01_N (Verantw ID): 186
Werke
Peter Schlemihls wundersame Geschichte
Der Verkauf des Schattens
Die Geliebte
  • Ernst Ludwig Kirchner
  • Die Geliebte, 1915

  • Blatt 2 der Bildfolge zu Adelbert von Chamissos Erzählung ›Peter Schlemihls wundersame Geschichte‹
  • Inv.-Nr. A 261/57
Kämpfe
  • Ernst Ludwig Kirchner
  • Kämpfe, 1915

  • Blatt 3 der Bildfolge zu Adelbert von Chamissos Erzählung ›Peter Schlemihls wundersame Geschichte‹
  • Inv.-Nr. A 262/57
Schlemihl in der Einsamkeit des Zimmers
Begegnung Schlemihls mit dem grauen Männlein auf der Landstraße
Schlemihls Begegnung mit dem Schatten