Museum Folkwang
  • Zeichnung des 19. Jahrhunderts – Im Licht Italiens

  • Innerhalb der Zeichnungen und Aquarelle des 19. Jahrhunderts, die zur Grafischen Sammlung des Museum Folkwang gehören, bilden Blätter, die in Italien entstanden sind, eine eigene, umfangreiche Gruppe. Es handelt sich indes nicht um Arbeiten italienischer Künstler, sondern ausnahmslos um Werke von Deutschen, Österreichern und Schweizern, die sich im Zuge der Italiensehnsucht jener Zeit zumindest für einige Jahre dort aufhielten, wie etwa Joseph Rebell, Friedrich Preller d. Ä. oder Johann Heinrich Schilbach. Andere ließen sich für immer in Italien (und dann zumeist in Rom) nieder, wie Joseph Anton Koch, Johann Christian Reinhart, Salomon Corrodi, Heinrich Dreber oder Johann Martin von Rohden.

    Ebenso wie bei den damals entstandenen Landschaftsgemälden lässt sich bei den Arbeiten auf Papier das Bestreben feststellen, die Faszination des südlichen Lichts im Werk zu bannen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich dieses Bestreben nicht allein in solchen Aquarellen manifestiert, die eine Landschaft in einer bestimmten Lichtsituation präsentieren, wie beispielsweise Salomon Corrodis panoramatischer ›Blick auf Rom vom Monte Mario aus‹, der in besonders gelungener Weise vom sanften Licht einer tiefstehenden Sonne geprägt ist. Gleichzeitig entstanden auch lavierte Blätter, wie Joseph Rebells ›Blick auf Frascati‹, Johann Martin von Rohdens ›Blick auf Tivoli‹ oder Johann Heinrich Schilbachs Schilderung einer Landschaftspartie ›Zwischen Albano und Ariccia‹, die in ihrer fein ausdifferenzierten Tonalität den Eindruck lichtdurchfluteter und vom Gegensatz zwischen hell beschienenen und vielfältig verschatteten Bereichen geprägter Landschaften vermitteln.

    Auch in der kompositorischen Organisation der Blätter lassen sich zwei Gruppen unterscheiden. Einerseits entstanden Arbeiten, die minutiös einen bestimmten Landschaftsausschnitt wiedergeben, etwa Joseph Rebells ›Blick auf den Golf von Salerno‹ oder Leo von Klenzes ›Tor des Königs Kokolos‹. Daneben finden sich aber auch Landschaftsdarstellungen, auf denen nur ein bestimmtes Motiv präzise ausgeführt ist, die übrigen Bereiche hingegen entweder nur angedeutet, oder überhaupt nicht wiedergegeben werden. Dies gilt beispielsweise für Rebells ›Blick auf Frascati‹, wo im Gegensatz zur tatsächlichen Wahrnehmung die am weitesten entfernten Bildelemente – die Villen Mondragone und Falconieri – detailliert festgehalten werden, während der nahegelegene Vordergrund beinahe völlig ausgespart bleibt und nur durch wenige Bleistiftstriche angedeutet ist. Es mag darin die Forderung des Landschaftsmalers und Kunsttheoretikers Pierre-Henri de Valenciennes zum Tragen kommen, der 1803 in seiner ›Praktischen Anleitung zur Linear- und Luftperspectiv für Zeichner und Mahler‹ verlangte, dass die Künstler möglichst rasch die sich schnell wandelnde Stimmung einer bestimmten Tageszeit – und nur diese – festhalten, »denn alle aufeinander folgenden Momente des Tages und ihre stufenweisen Effecte in einen einzigen Augenblick vereinigen zu wollen, ist die größte Sünde wider die Wahrheit und der vollständigste Beweis eines gänzlichen Mangels an Ueberlegung.« Berücksichtigt ein Künstler die von Valenciennes aufgestellte Forderung, nicht länger als zwei Stunden an einem Blatt zu arbeiten, dann können folglich einige Bereiche nur angedeutet werden. Zugleich rückt aber bei solchen scheinbar unvollendeten Arbeiten der Schaffensprozess selbst in das Zentrum der Aufmerksamkeit
  • Exh_Title_S: Zeichnung des 19. Jahrhunderts – Im Licht Italiens
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  • Exh_Comment_S (Verantw): Grafische Sammlung
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Werke
Blick auf Rom vom Monte Mario aus
Blick auf Frascati
Blick auf Tivoli
Zwischen Albano und Ariccia
Blick auf den Golf von Salerno
Das Tor des Königs Kokolos
Italienische Berglandschaft
Castel Gandolfo mit Albanersee
Landschaft mit Schäferin und Herde
Landschaft mit Amphitheater
Italienische Landschaft (Arricia?)
Italienische Bäuerin im Gebirge
Landschaft mit Bäuerin und einem Hirten
Idyllische Landschaft