Museum Folkwang
  • Flächen, die die Welt bedeuten
    Theaterplakate von Frieder Grindler und Volker Pfüller

  • Man könnte annehmen, das Theater gewähre dem Gestalter besondere Freiheit, denn schon lange zählt es zu den kreativ herausfordernden und künstlerisch anspruchsvollen Themen für das Medium Plakat. Doch die Freiheit wird jedes Mal neu erkämpft: in der Auseinandersetzung mit dem Stück, seiner aktuellen Interpretation und der Aufführungspraxis sowie unter Berücksichtigung der Vorstellungen von Intendant, Regisseur, Dramaturg, Ensemble und Träger des Hauses. Der Gestalter muss eine grundsätzliche Entscheidung treffen: Entweder er orientiert sich beim Entwerfen des Plakats an der Intention der Aufführung oder er bringt seine subjektive Perspektive ein und entwickelt das Plakat als eigenständigen Beitrag zu Stück und Inszenierung. In diesem Handlungsspielraum entstehen Plakate für das Theater.

    Die Ausstellung ›Flächen, die die Welt bedeuten‹ ist zwei Gestaltern gewidmet, die seit vielen Jahrzehnten Theaterplakate entwerfen. Beide gestalten ihre Plakate als eigenständige Beiträge: Frieder Grindler nutzt dabei die Fotomontage, Volker Pfüller Zeichnung und handschriftliche Typografie. In der Unterschiedlichkeit ihrer Ansätze liegt der besondere Reiz, beide Positionen einander gegenüberzustellen. Denn so wird nicht nur der Blick für Besonderheiten und Unterschiede geschärft, sondern es wird auch offenkundig, dass die unterschiedlichen Lösungen für die gleiche Aufgabenstellung gleichermaßen Gültigkeit haben.

    Frieder Grindler (*1941) wurde Ende der 1960er Jahre mit seinen spektakulären Fotomontagen bekannt, die er zunächst für Plakate für das ›Tübinger Zimmertheater‹ entwarf. Seine Arbeiten scheinen dem Betrachter eine objektive Wirklichkeit zu zeigen, deren Quellen fotografisch sind. Diese Wahrnehmung aber entpuppt sich schon beim zweiten Wimpernschlag als fantastischer Irrtum. Mit komplexen Bildmanipulationen durchdringt Grindler ein Thema und visualisiert, worum es eigentlich geht. Neben der Fotomontage sind es die »Realmontagen«, die diesen Eindruck erwecken; inszenierte Situationen werden eigens für das Plakat erzeugt und fotografiert. Der spielerische Umgang mit dem Inhalt eröffnet zumeist erst nach der Kenntnis von Stück und Aufführung die Möglichkeit, die Anspielungen des Plakats gänzlich zu verstehen.

    Volker Pfüller (*1939) hinterlässt mit jeder Arbeit eine Marke – nur ein Plakat von ihm kann so aussehen. Kaum ein anderer Gestalter hält derart streng an der eigenen Bildsprache fest und bewegt sich flexibel nur innerhalb der selbst gesetzten Grenzen. Die Art der Zeichnung, die Verwendung von Farbe und der Umgang mit Typografie sind immer Ausdruck eines geradezu privat anmutenden Stils. Man muss sich also die Frage stellen: Wie viel von der Person Volker Pfüller steckt in jedem Plakat? Mehr als man zunächst vermuten würde, denn sooft es geht, zeichnet er selbst auf den Stein, die Druckplatte oder die Folie, schneidet selbst ins Linoleum. Erst während des Prozess des Druckens wird sein Entwurf endgültig abgeschlossen. Pfüller stellt überwiegend die Hauptperson des Stücks mit den Zügen des jeweiligen Schauspielers dar. Zeichnung, Farbe und Typografie geben eine charaktervolle Porträtstudie und einen Kommentar zur Interpretation des Stücks wieder.

    Aus Anlass der Ausstellung erscheinen zwei separate Kataloge. Sie schließen eine erste Reihe von Monografien zu Plakatgestaltern der Gegenwart ab. [Siehe http://www.museum-folkwang.de/de/buchbestellung/publikationen]
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    Theaterplakate von Frieder Grindler und Volker Pfüller
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  • Exh_Comment_S (Verantw): Deutsches Plakat Museum
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Werke
Kaspar / Peter Handke
Der Fisch
  • (Renate Grindler, *1940; Frieder Grindler, *1941) Grindler, Renate und Frieder
  • Der Fisch, 1968

  • Tübinger Zimmertheater
  • Inv.-Nr. DPM 21812
Das Kaffeehaus / Rainer Werner Fassbinder
Porgy / + Bess / George Gershwin
Das Mündel will Vormund sein / Peter Handke
Die / Möwe
Ab heute heißt du Sara.
Schauspielhaus / Es wird Zeit für die Spielzeit 1995/96...
Es wird Zeit für die Spielzeit 1995/96 …
Othello / Ein Tanztheater von Ismael Ivo und Johann Kresnik
Frank Wedekind / Wer zuletzt / lacht, lacht / am besten
Georg Kreisler Lieder
Claire Waldoff / Lieber Leierkasten- /mann
Ein Kurt Tucholsky / Abend
Medea
Stella
Totentanz
Die Rundköpfe und die Spitzköpfe
Endspiel
Fischmaul
Der / zerbrochne / Krug
Mein Kampf
Ghetto